90 Jahre Grötzinger Naturfreundehaus

90 Jahre Grötzinger NaturFreundehaus
Engagement und 10.000 Arbeitsstunden

Ein jugendfrisches Kleinod in herrlicher Umgebung ist 90 Jahre alt: das NaturFreundehaus auf dem Knittelberg. Ein Grund zum Feiern und für den 2. Vorsitzenden des Touristenvereins, Niels Dürr, an die Geschichte des Hauses zu erinnern.

1928, als der Verein der Naturfreunde nach den 'Wunden, die der Krieg geschlagen hatte', wieder stetig am Wachsen war, wurde der Wunsch der damals 74 Mitglieder nach einem eigenen Vereinsheim immer stärker.

Er ging mit der Eröffnung einer Hütte am 22.07.1928 in Erfüllung, auch mit Hilfe eines großzügigen Darlehens, das Druckerei-Besitzer und Gründungsmitglied der NaturFreunde Grötzingen, Max Hafner gewährt hatte. Nach Naturfreundeverbot und Enteignung 1933 und der Neugründung der badischen Naturfreunde 1945 gelang es, vor allem mit Hilfe des Obmann Herbert Schweizer, 1949 das „Hüttle“ wieder in Besitz zu nehmen.
Spannend wurde es in den Jahren 1962 bis 1964 unter Obmann Willi Ebendt. Das benachbarte Fraunhofer-Institut erhob Anspruch auf das Grundstück der Naturfreunde! Durch intensive Verhandlung konnte eine erneute Enteignung abgewendet werden und auf der JHV im Jahre 1963 wurde der überfällige Neubau „unseres“ heutigen Knittelberghauses beschlossen. Ein festes Haus, mit Schlafgelegenheiten, Stromanschluss und Abwasserentsorgung! Ein enormer Kraftakt von vielen Mitgliedern und 10.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden führten schließlich zum Ziel. Das Haus bekam sein heutiges Aussehen.

„Vielen Dank an die vielen helfenden Hände, welche dies ermöglicht haben und uns auch heute damit noch immer eine große Freude schenken!“ Niels Dürr ehrte stellvertretend für alle, welche sich damals ehrenamtlich einbrachten, Werner Daubenberger, Heinz Rützler (auch 1.Vorsitzender 1973-1987 und Hauswart mit seiner Ehefrau Marianne 1983-1993), Berthold Säuberlich, Wolfgang Stahl und Werner Zimmermann. Und natürlich Erich Ewald (Hauswart von 1981-1983) und Sabine Kutscherauer, 1. Vorsitzende 2002-2014 und Hauswart mit ihrem Mann Axel 2003-2014.

Hausdienste die neue Möglichkeiten eröffneten, Gruppen, eine Kindergruppe: das Vereinsleben florierte! Während des Vorsitzes von Sabine Kutscherauer wurden einige wichtige Sanierungen durchgeführt. Schließlich wurde 2017 unter der Leitung von Regina und Detlef Stutter die Küche und die Elektrik renoviert. „Bauleiterin“ Regina lernte die Leiden auf einer Baustelle kennen und konnte mit ihrem „Team“ebenfalls in vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden das Projekt erfolgreich zu Ende bringen.
Rechtzeitig zu seinem 90. erhielt das Haus ein neues Kleid. Eine Mauer wurde abgerissen, die Süd- und Westseite abgegraben und neu abgedichtet und die Terrasse im Westen erweitert und wunderbar neu angelegt und letztendlich die Fassade renoviert.
Regina Schmidt-Kühner überbrachte Glückwünsche vom Bundesvorstand und den anderen Karlsruher Ortsgruppen. Sie erinnerte an die Geschichte der NaturFreunde. Die Feier sei Anlass nachdenklich und optimistisch zugleich zu sein. Die NaturFreundehäuser sollten von den Werten Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden getragen sein. „Weil die NaturFreunde als Teil der Arbeiterbewegung oftmals nicht gerne gesehen waren, war es nicht leicht in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Naturfreundehaus zu errichten.“ Jedes neue Haus sei ein Stück Klassenkampf gewesen, in der Zeit des aufkommenden Faschismus, der Beschlagnahmung und Verfolgung der Mitglieder folgten. „Aber Tradition bedeutet nicht nur Asche zu bewahren, sondern eine Flamme am Brennen zu halten, für die Natur und die Menschen, den Klimaschutz und für eine friedliche Welt ohne Rassismus und Ausgrenzung“. Die Geschichte der Naturfreunde sei ein Kampf gegen die Ausbeutung der Menschen und der Natur, deren Zerstörung letztlich ein Angriff auf die Menschheit selbst sei: „Tun wir das Notwendige, und das ist richtig viel!“
Die Fotogruppe zeigte eine spannende Schau vom Anbeginn des Touristenhüttle über den Bau des Hauses mit allen Entbehrungen und Leistungen bis zum heutigen Haus mit seinen zahlreichen attraktiven Angeboten für mehr als 300 Mitglieder und alle Grötzinger. Ein Interview, welches Volker Ebendt mit dem früheren Grötzinger Bürgermeister und Obmann Herbert Schweizer geführt hatte, dokumentierte aus erster Hand das Werden des Hauses, der „Seele des Vereinslebens“.
Tradition hat auch das künstlerische Schaffen in Grötzingen. Ein Thema für Ortsvorsteherin Karen Eßrich am Wochenende der offenen Ateliers, mit ihrer Gratulation das Werk eines Grötzinger Künstlers zu überreichen.

Und wo es einen Anlass gibt, da kann froh gefeiert werden. Ein köstliches Buffet und die musikalische Begleitung von Joachim Schäfer und zwischenmenschliche Wärme boten der Kühle der ersten wirklichen Herbstnacht des Jahres stolz die Stirn. Die gereimten Geschichten Jürgen Kunzmanns setzten den kabarettistischen Tupfer des Abends. Alles, wie Niels Dürr wünschte: „Haus frei!“
NFG